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NIE ALLEIN - IM AUF UND AB DES LEBENS - Aus dem Leben Josefs

Pfarrer Dr. Volker Gäckle


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Wir haben es heute Morgen mit einer Biographie zu tun. Wenn wir die Biographie Josefs lesen, haben wir eine spannende, eine hochinteressante und auch eine höchst lehrreiche Biographie vor uns. Was ist eigentlich das Lehrreiche an der Biographie Josefs?

Am Ende der Josefsgeschichte steht ja der berühmte Satz, der so etwas wie eine Bilanz der Josefsgeschichte ist: Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen! (1.Mose 50,20).

Die Frage ist ja nun die: Was hätte das Fazit dieses Lebens gelautet, wenn Josef in jener Zisterne, in die ihn seine Brüder geworfen haben, verdurstet wäre?

Der alttestamentliche Mensch hatte nur eine ganz schwache Ewigkeitshoffnung. Das Heil muss sich für ihn im Rahmen seiner irdischen Lebenszeit erfüllen. Das Leben galt dann als von Gott gesegnet, wenn die irdischen Verhältnisse von Gottes Shalom geprägt waren, von diesem umfassenden Zustand, dass alle Dinge in Frieden und in Ordnung waren: Bei Josef die Versöhnung aller Problembeziehungen, der Erfolg und materielle Reichtum - auch an Kindern.

Wir alle kennen Menschen und Biographien, wo vieles nicht gut ausgeht. Was ist mit denen?

Und wir alle kennen eine Biographie, bei der es bei allen Ähnlichkeiten auch ganz anders ausgegangen ist als bei Josef und das ist die irdische Biographie von Jesus Christus. Im Tod trennen sich hier die Biographien zwischen Josef und seinen Kindern auf der einen und Jesus und seinen Nachfolgern auf der anderen Seite. Aber im Tod Jesu wird auch etwas sichtbar, was bei Josef und im gesamten Alten Testament so noch nicht sichtbar war: Mit der Auferstehung Jesu tritt eine lebendige Hoffnung ins Licht der Weltgeschichte. Es ist die Hoffnung, dass auch die nach menschlichen Maßstäben gescheiterten oder tragischen Biographien des Lebens ein gutes Ende in Gottes Ewigkeit finden können. Das irdische Glück oder Unglück eines Menschen, irdische Gesundheit oder Krankheit, Reichtum oder Armut sind kein letzter Gradmesser mehr für die Gedanken Gottes über einem Menschen.

Wenn wir also für uns etwas vom Leben Josefs lernen wollen, dann müssen wir sein Leben im Licht des Lebens, Sterbens und Auferstehens von Jesus Christus betrachten. Dann können wir auch die einzelnen Lebensabschnitte dieses Josef unabhängig vom glanzvollen Ende seines Lebens betrachten.

1. NIE ALLEIN in den Brüchen des Lebens!

Auch in den Brüchen des Lebens, auch in den Brüchen einer Familie lässt Gott keinen Beteiligten allein, am allerwenigsten das Opfer, den Verlierer des Familienkriegs, am allerwenigsten Josef.

Wir erleben heute eine eigentümliche Situation: Einerseits erleben wir so viel Scheitern und so viele Brüche wie selten zuvor und auf der anderen Seite einen immensen Anspruch an ein gelingendes Leben. Weil das Leben unter allen Umständen gelingen muss, erleben wir diesen Anspruch immer mehr als Tyrannei. Die Bibel führt uns Menschen vor Augen mit ihrem Gelingen und Scheitern, mit ihrem Erfolg und Misserfolg. Und sie beschreibt uns Menschen, mit denen Gott trotzdem seine Geschichte schreibt. Wir können deshalb aus der Josefsgeschichte lernen, dass ein gelingendes Leben in Gottes Augen kein Leben ohne Brüche sein muss und ein gesegnetes Leben kein Leben ohne Scheitern sein muss.

2. NIE ALLEIN in den Verletzungen des Lebens!

Menschlich gesprochen war dieser Josef doch auf dem Weg zu einem physischen und psychischen Wrack. Aber noch viel schmerzhafter als äußeres Leid sind die inneren Verletzungen. Diese Verletzungen zerstören meine Fähigkeit zu vertrauen, die zerstören meine Fähigkeit zu verzeihen, die zerstören meine Fähigkeit zu lieben.

Wie kann mein Leben wieder heil werden, wenn Verletzungen mich niederstrecken? Von Josef heißt es in 1.Mose 41,51: Und er nannte den ersten Sohn Manasse; denn Gott, sprach er, hat mich vergessen lassen all mein Unglück und mein ganzes Vaterhaus. Josef konnte vergessen, weil Gott ihm Frieden gegeben hat über seiner Vergangenheit und weil er so seine Verwundungen und Verletzungen Gott abgeben konnte. Abgeben heißt: Diese Dinge dürfen mich nicht mehr quälen, diese Dinge gehören jetzt Gott und nicht mehr mir.

Der Gott Josefs ist ein Gott, der sich um unsere Verletzungen kümmert, der diese Verletzungen aber nicht mit Rache und Hass begleitet, sondern uns auf einem Weg der Heilung begleitet.

3. NIE ALLEIN in den Versuchungen des Lebens!

Wir lernen an der Lebensgeschichte Josefs, dass die Versuchungen genauso zum Leben dazugehören wie das Scheitern. Gott ist ein Gott, der uns die Versuchungen zumutet und der uns diese Welt zumutet. Ich sehe in der Bibel einen roten Faden der Heilsgeschichte Gottes, der aus Menschen besteht, die Gott in die Brennpunkte, in die Machtzentren und vor die Könige und Kaiser dieser Welt geschickt hat, um zum Segen für andere zu werden. Wagen Sie es, in dieser Welt etwas zu werden, so wie Josef!

Die Versuchungen dieser Welt sind massiv und stark, aber unser Gott ist stärker, weil er uns nicht allein lässt, weil er bei uns bleibt, weil er die Macht hat, uns vor dem Bösen zu bewahren.

Ich möchte Ihnen allen Mut machen, getröstet und gelassen, mutig und stark diesem Jahr entgegenzugehen. In der Begleitung dieses Gottes wird es nichts und niemanden geben, der uns trennen könnte von der Liebe Gottes in Jesus Christus, unserem Herrn.



 
Losung vom Samstag, den 11. September 2010Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen.Jesaja 55,2Christus spricht: Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.Johannes 6,32© Evangelische Brüder-Unität
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